DEWALDO

15. Es war einmal ein Pferd…

Wie im wirklichen Leben verläuft auch ein Bodypainting-Fotoshooting nicht unbedingt immer so glatt und rund wie gewünscht. Aber wenn man am Ende des Tages doch zu den Bildergebnissen kommt, die angedacht waren, kann man im Nachhinein über das Zustandekommen derer durchaus Schmunzeln.
In meinem Bodypainting-Foto-Kunst-Projekt WORKING ART werden unterschiedlichste Berufe mittels Bodypainting neu in Szene gesetzt. Dabei schränken wir, mein Fotograf und Projektpartner uns nicht ein, was die Wahl der dazustellenden Berufe angeht. Es darf gern auch etwas unkonventionell sein. So kam es zu der Bilderserie “Der Hufschmied”.

Das Model Yessi besitzt ein weißes Pferd. Schon lange war ich mit ihr in Kontakt bezüglich einer angedachten gemeinsamen Aktion. Beim Diskutieren über mögliche Motive brachte die Dame Dalmatinerhunde ins Gespräch, die öfter an ihrem Pferdestall zugegen sind. Spontan ergab sich die Bodypainting-Idee “schwarze Punkte auf weißem Grund”. Um nicht ziellos irgendein Fotoshooting zu machen, konnte ich einen professionellen Hufschmied für das Projekt WORKING ART dazugewinnen. Kurzentschlossen wurde ein Termin ausgemacht, der für alle Beteiligten machbar war.
Dass das Ganze dann doch einige Überraschungen parat hielt, offenbarte sich erst während der Arbeit. Die Bildidee und angedachte Szene war klar: Outdoorshooting am Pferdestall / schwarz-weiße Dalmatiner / entsprechend bemaltes Model / Pferd / Hufschmied bei der Arbeit. Erfreulicherweise war Yessi im Umgang mit ihrer Stute sehr entspannt und nachdem bereits die Dame mit Farbe versehen war, entschied ich mich spontan, auch das weiße Pferd mit schwarzen Punkten zu bemalen. Geduldig ließ es die Prozedur über sich ergehen und bis dahin war der ganze Sonntag recht entspannt. Doch das sollte sich bald ändern.

Mittlerweile sprach sich die Aktion herum und nach und nach tauchten immer mehr Neugierige auf. Reiterinnen, Landwirte, die Hundebesitzer nebst zusätzlicher Fiffis, die gar nicht für das Shooting vorgesehen waren, Passanten… und Regenwolken. Nun sollte es zügig gehen, aber genau das Gegenteil war der Fall. Zunächst wurde die Fotoszene choreographiert und Pferd, Model, zwei Dalmatiner und der Hufschmied in Position gebracht. Leider machen aber Tiere nicht immer unbedingt das, was die Herren Künstler gern hätten. Die Hunde liefen dauernd aus dem Bild, im Hintergrund kläfften die zusätzlich mitgebrachten Vierbeiner und das Pferd erleichterte sich zwischendurch oder blickte in die falsche Richtung. Waren zufällig gerade alle positioniert, war das Hufeisen des Schmiedes nicht mehr glühend oder es fielen die ersten Regentropfen. Aufgrund der notwendigen Posing-Aktivitäten des Models verlor die eh schon schwierig aufzutragende Bodypaintingfarbe “weiß” immer weiter an Deckkraft und verteilte sich mehr und mehr von der attraktiven Dame auf das Pferd.

Anspannung machte sich breit. Nach eh schon etlichen gemeinsamen Stunden waren die Nerven der Akteure mittlerweile arg strapaziert. Zuschauer, Lautstärke, Turbolenzen, Unruhe und Wetter ließen die ganze Sache fast platzen. Aber da Kneifen nicht gilt und man solch eine aufwendige und besondere Inszenierung nicht alle Tage hat, es hingegen aber unmöglich wurde, auf alle Beteiligten Vier- und Zweibeiner dieser Szene gleichzeitig zu achten, schoss der Fotograf in der Hoffnung auf DAS finale BestOf-Bild eine Salve Fotos nach der anderen ab.
Nach gefühlten 20.000 Auslösern und einem mittlerweile stark regnenden Sonntagnachmittag wurden alle Beteiligten erlöst und das Fotoshooting beendet.

Zuhause neugierig am PC die vielen Fotos durchsehend, machte sich dann aber freudige Entspannung breit. Tolle Bildergebnisse kamen zum Vorschein, inklusive zufällig entstandenen Effekten, die im Shooting-Chaos gar nicht bemerkt wurden: Bei dem finalen Bild liegt das Model rücklings verkehrtherum auf dem Pferderücken und ihre Haare gehen optisch in den Pferdeschweif über. Ein witziger Zufall.

Weniger witzig war nach Tagen der Anruf der Pferdebesitzerin, die mitteilte, dass die vormals uni-weiße Stute sich auch nach intensiven Shampoonier-Waschgängen nicht von den aufgemalten schwarzen Flecken befreien ließ. Beide, also Pferd und Reiterin nahmen es jedoch mit Humor und verwiesen auf den baldigen Fellwechsel, um dem Bodypainting-Künstler das schlechte Gewissen dessen zu nehmen, was er da angerichtet hatte.

Zumindest lernte er daraus, dass man Pferde besser nicht mit für Menschenhaut gedachter Farbe bemalt.

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