DEWALDO

14. rosa electronics

Klassische Bodypainting-Aufträge sind Promotion-Aktionen auf Messen. Da gilt es dann, den Auftraggebern sprich Ausstellern möglichst gerecht zu werden, sowohl mit der Wahl des Motives, des für den Job geeigneten Models und den diversen dazugehörigen Kleinigkeiten und Zutaten.

 

Das zu malende Motiv ist meine Sache, es liegt an mir, mir etwas passendes auszudenken. Ist auch das Model gefunden, treten wir als „Team Düsterwald“ auf, egal wie die Zusammensetzung tatsächlich ist. Und nun sollte man meinen, dass das alles erwachsene und zuverlässige Menschen sind. Zumindest gehe ich – positiv, wie ich bin erst einmal davon aus.

Ein solcher Job stand an. Ich hatte alles vorbereitet und machte mich auf den Weg nach Hannover zum Messegelände. Am Aussteller-Auftraggeber-Messestand angekommen, packte ich meinen Krempel aus und richtete unseren Arbeitsplatz ein. Mittlerweile kam auch das dazugebuchte Model an, es konnte also losgehen. Doch was war das? Das zu solch‘ einem Job eine attraktive Person gehört, versteht sich von selbst, die bringt sich quasi selber mit. Dazu gehören aber auch die paint- und öffentlichkeitstauglichen Begleit-Utensilien wie z.B. anständige Schuhe. Und – …mit den Worten „Huch, sorry, hab‘ ich vergessen“ stand meine „Leinwand“ in einem für Bodypaintmodels überproportional großen, rosa farbenden Frottee-Schlüpfer mit lustigem Blümchenaufdruck vor mir. Dass es so etwas überhaupt gibt?! Leider war das alles gar nicht lustig, denn woher sollte man auf der CeBIT – wohlgemerkt eine  Elektronik-Messe – einen geeigneten ansehnlichen attraktiven Tanga herbekommen? Auf dem vorhandenen konnte man jedenfalls weder malen noch sich das Ding überhaupt ohne Augenschmerzen angucken. Ich wäre beinahe geplatzt vor Wut über die Dusseligkeit meiner Aspirantin.

Aber es nütze nichts, ich musste den Job irgendwie durchziehen. Als ich dann auch noch aus dem Augenwinkel die argwöhnischen Blicke des Auftraggebers wahrnahm, musste ich mir schnell etwas einfallen lassen und so tun, als sei alles in Ordnung. Mit den Worten „Nö nö, alles okay, passt schon…“ pfriemelte ich aus Alu-Folie und herumliegendem Verpackungsmaterial ein improvisiertes Röckchen oder zumindest sowas ähnliches zusammen, um auf Nachfrage dann antworten zu können: „Das soll so sein“. Souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.

Das Paintingmotiv habe ich dann an das neue „Styling“ irgendwie angeglichen, damit die Gesamterscheinung einigermaßen ansehnlich wurde. So verbrachte mein eingewickeltes Model mit dem „rosa Untendrunter“ den Rest des Tages auf dem Messegelände und ich war froh, dass ich die Situation noch einmal grade so retten konnte.

(Ich hab‘ gar nicht erst in den Archiven nach Bildern gesucht. Es wäre schlimm, würde es davon auch noch Beweisfotos geben).

Bin ich denn für alles zuständig? Muss ich jetzt meinen Mädels auch noch die Höschen kaufen? Scheinbar ja. Wenn man nicht alles selber macht…

Jedenfalls hat mich die Sache gelehrt, immer einige Reserve-Slips für meine Damen im Arbeitskoffer zu haben. Das setzt aber voraus, dass ich in unregelmäßigen Abständen durch die Dessous- und Wäscheabteilungen diverser Kaufhäuser streife.

 

Und ich spüre es immer genau, ich lese es in den Augen der Verkäuferinnen: „Ah, da ist wieder der merkwürdige Typ, der immer gleich mehrere 5er-Packs weiße, hautfarbene und schwarze Slips in drei unterschiedlichen Größen kauft. Der muss eine komische Freundin haben…“.