DEWALDO

10. Schwarzer Panther

Es macht immer wieder einmal Spaß, sich bei Bodypainting-Wettbewerben mit den Künstler-Kolleg/innen zu messen und den interessierten Zuschauern zu zeigen, was man kann.

 

Solche Events sind in verschiedene Sparten aufgeteilt, man kann in unterschiedlichen Katgorien starten. Wir sind eher die Pinsel-Könner als das wir Airbrusher sind oder mit SpecialEffects hantieren. Ein Teil-Wettbewerb ist das sogenannte Facepainting, beim dem – gegebenenfalls ergänzt mit Deko und passenden Accessoires – lediglich das Gesicht des Models gestylt wird. Daran wollten wir uns einmal versuchen.

Das vorgegebene Thema in jenem Jahr lautete “exotische Schönheiten“, zwei Stunden hat man Zeit, sein Kunstwerk zu vollenden. Von mir und meinem Team ist in der Szene bekannt, dass wir so manches Mal irgendwie “anders” sind, durchaus eine eigenwillige Bodypainting-Linie haben. Dazu gehört auch, das es mir immer ein Anliegen ist, dass “meine Mädels” trotz aller Farbe und Styling noch als Frau wirken und sich auch so fühlen dürfen. Ich mag sie mir einfach nur allzu gern ansehen.

Ohne dem Anders-Sein vorsätzlich gerecht werden zu wollen, viel mir spontan meine Wettbewerbs-Motividee ein. Ein >schwarzer Panther< erachte ich als sehrwohl exotisch. (Zumal ich bei den Recherchen zu dem Motiv gelernt habe, dass es das Tier als eigene Art gar nicht gibt, sondern jener dunkle Look nur eine Pigmentstörung einer Leoparden-Raubkatze ist). Und wenn man dann noch eine umwerfend hübsche junge Dame als Model hat, bei dessen Anblick ihrer Figur einem schwindelig werden kann, finde ich das Thema “exotische Schönheiten” sehrwohl als getroffen.

Nun birgt eine schwarze Fläche nicht allzu viele malerische Herausforderungen. Da ich aber von meiner Motividee so überzeugt und geradezu euphorisch begeistert war, setzten wir uns über die Jurykriterien hinweg und kreierten unsere “Katze”. Dabei legten wir großen Wert auf sorgfältiges arbeiten. Es ist gar nicht so leicht, ein Gesicht, eng an die Kopfform frisierte Haare und den Hals deckend schwarz zu färben. Gelbe Katzenaugen-Kontaktlinsen sorgten für den Raubtier-Blick, schwarz-silbrige Wimpern und akkurat gezogene rote Lippen machten aus dem Mädchen einen Vamp. Diese Zutaten allein reichten mir aber nicht. Das Model zwängte sich in einen hautengen, schwarz-seidenglänzenden Ganzkörper-Catsuit (der Name ist in diesem Fall Programm) und schlüpfte in schwarz-lackige HighHeel-Stiefel. Lange neongelbe Fingernägel komplettierten das Gesamtbild.

Puh – was für eine Erscheinung! Von oben bis unten schwarz, mit einem Blick zum dahinschmelzen und mit einem Gang und Hüftschwung, der einem den Atem stocken ließ, genoss auf Sechszehn-Zentimeter-Absätzen unser BlackPanther auf dem Weg zur Jury die Blicke des Publikums. Vor allem die des männlichen. Inklusive meinem.

Okay, mit Facepainting hatte das nicht mehr wirklich viel zu tun und die Jury strafte uns mit irritiertem Kopfschütteln und wenigen Punkten. Aber erstens war mir das vorher schon klar und zweitens total egal. Die Zuschauer und Kolleg/innen lobten beeindruckt den Mut dieser besonderen Darstellung und die perfekte Ausführung in allen Details.

Ich hatte meine doppeldeutige frau-raubkatzen-exotische Schönheit, noch dazu mit meinem damaligen Lieblings-Stammmodel. Mehr brauchte es nicht. Denn Wettbewerb hin- oder her, letztendlich möchte und soll der Herr Künstler sich selbst gerecht werden und sonst niemandem.

Die abschließende kleine Bühnenperformance von “The Cat” zu heissen Rythmen in spektakulärem Licht gab dem Publikum und den Fotografen den Rest.

 

Was heißt eigentlich “hammermegaoberrattenscharf” auf englisch?