DEWALDO

08. Pinsel – Dicke

Das manche Fernsehsendungen, insbesondere im Nachmittagsprogramm für den sich für normal haltenden Mitbürger ja durchaus – na, sagen wir mal vorsichtig “fragwürdig” sind, ist hinreichend bekannt. Und wieso mache ich dann da trotzdem mit? Ich geb’s zu: mediengeil und geldgierig. Jawohl, das war ich. Und ließ mich deshalb zu einer Aktion hinreißen, die… man man man.

 

Ein privater Fensehsender wollte eine Sendung über “Zu was Dicke alles im Stande sind” oder so ähnlich machen. Die Redaktion rief an und fragte, ob ich auch beleibtere Bodypainting-Models hätte und ob sie solch eine Aktion einmal filmen dürften. Ich käme auch ins Fernsehen und Geld gäbe es ebenfalls. Ohne wirklich ein passendes Model zu haben, stimmte ich aus o.g. Gründen sofort der Sache zu.

Die Suche nach einer passenden Aspirantin verlief überraschend einfacher als befürchtet. Ich sprach in der Einkaufszone ein junges Mädel an. Das tue ich sehr selten, da es “zu Fuß” etwas schwierig ist, zu vermitteln, was man will: “Du Dich ausziehen – ich Dich anmalen”. Aber jene junge Dame – keine 20 Jahre alt – hat es mir einfach gemacht, war sofort interessiert und wir verabredeten uns zu einem Farbspektakel. Zum Aktionstag rückte ein Kamerateam an. Ich pinselte das Mädel abstrakt bunt, während die Fernsehleute den ganzen Tag mit ihrer Beleuchtungstechnik und dem Filmapparat um uns herumwuselten. Das nervt immer ziemlich. “Wir wollen eine ganze Story, vom ersten Pinselstrich bis zum Fotoshooting”. Aaaah jaaa…

Irgendwann war das Ding im Kasten und das Model wurde zur Sendung nach Köln eingeladen. Ich “durfte” auch mit. Um mich ging es allerdings nun so ganz und gar nicht mehr, was ich aber erst nach der Sendung begriff. Im Backstage-Raum begrüßte uns ein angetrunkener, von der Maske massivst faltenzugekleisterter Moderator und machte äußerst dämliche Witze. Dann ging’s ins Studio, ich wurde im Publikum platziert. Mein rundliches Model, fein rausgeputzt mit der witternden Chance, jetzt groß rauszukommen, nahm zwischen weiteren “Dicken” auf der Bühne Platz. Dann kam sie an die Reihe und wurde vorgestellt. Der Moderator faselte irgendwelche blöden Bemerkungen über die Körperkunst, während der Film eingespielt wurde. Waren es zehn oder doch zwölf Sekunden? Ich wurde weder erwähnt noch wurde auch nur ansatzweise gezeigt oder dokumentiert, was wir da gemacht hatten. Der Bühnenclown quatschte abfällige Bemerkungen über dickliche Models und wechselte zum nächsten Kandidaten. Das war’s. Super Aktion. Quasi als krönender Abschluß wurden zum Ende der Sendung dem Publikum – es sollte wohl ein Gag sein – Schaumschokohauben (damals hießen sie noch Negerküsse) gereicht. Alle bekamen einen, nur …genau, als ich die Hand ausstreckte, ging das Tablett an mir vorbei.

 

Immerhin bekam ich Spritgeld und 500 Mark Gage.