DEWALDO

05. Auf und ab

Manche Aufgaben erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Eine interne Aufzug-Einweisung bekommt man nicht alle Tage. Sie ist aber erforderlich, wenn man einen vierstöckigen Fahrstuhlschacht zu bemalen hat.

 

Und zwar innen. Auf den Etagen sind Glastüren und der Schacht ist beleuchtet. Wenn die Personenkabine in einem anderen Stockwerk hält, kann man in den Schacht auf und ab schauen. Und in diesen senkrechten Tunnel sollte eine Bemalung, passend zum Bibliothek-Gebäude. Doch wie da ran kommen? Mit einem speziellen Schlüssel konnten die Etagentüren von Hand geöffnet und die Kabine so abgefahren werden, dass ich oben drauf klettern konnte. Tür mit dem Schlüssel wieder zu und mit dem dortigen Steuerelement ließ sich nun, mit Farbpötten und Pinseln bewaffnet auf- und abfahren. Puh, Klaustrophobie-Ängste darf man da nicht haben. Links und rechts die Gewichte und Aufzugseile bedeutete: Hände an die Hosennaht! Und – ganz oben angekommen, kam die Decke bedrohlich nahe. Auch wenn eine Bremse eingebaut war, zog man doch unweigerlich den Kopf ein. Etwas unwohlig war auch die Erkenntnis, dass das Handy im Schacht keinen Empfang hatte. Hätte ich also z.B. den Schlüssel verloren… tja, mich hätte in dem Baustellenschacht so schnell niemand gefunden.

Die Malerei erwies sich auch als tückisch. War ich doch mit der Nase vor senkrechten ca. 2×15 Metern Fläche, die sich nie ganz einsehen ließ. Ich löste das Problem mit riesigen Papierschablonen, die ich zuvor ausschnitt und peu á peu auf die Wand übertrug. Was für eine Wuselei – 30 Quadratmeter Papier. Und da man Papierbahnen nicht stellen, sondern nur hängen konnte, fiel mir immer mehr Papier auf den Kopf und verstopfte den ohnehin schon begrenzten Platz. Nach gefühlten zehn auf- und ab-Kilometern habe ich dann aber das offene Buch, aus dem Buchstaben “herausfielen” und sich weiter unten um eine riesige Tintenfass-Feder schlängelten, fertig bekommen.

 

Schöne Sache – spezielle Sache.