DEWALDO

04. Was soll das?

Als Maler ist es wichtig, das man malt. Doch es ist auch wichtig, dass die Bilder einmal jemand sieht. Zumindest, wenn man davon leben und ab und zu auch mal das ein oder andere verkaufen möchte/muß. Deshalb hielt ich immer Ausschau nach Ausstellungsmöglichkeiten. Nun, das ist nicht ungewöhnlich, und so manche Sparkasse und etliche Solarien-Center mußten dran glauben. Aber auch herkömmliche Verkaufsräume jedweder Coleur kamen in Betracht. Dann kann es auch schon mal passieren, das man Düsterwald-Gemälde in einem Auto-HiFi-Einrichter wiederfindet.

 

Es war eine meiner ersten externen Ausstellungen und ich bildete mir ziemlich viel darauf ein. Damit war ich natürlich allein, denn die Geschäftsführer nahmen das glaube ich nicht allzu ernst, stand ich doch noch am Anfang meiner freigewählten Schaffenszeit. Zu meiner Verteidigung kann ich höchstens anmerken, dass jene Verkaufsleute auch grade erst mit ihrem Laden angefangen hatten. Der Unterschied war nur: sie waren erfolgreich. So sehr, dass sie heute einer der führenden PKW-Elektronik-Ausstatter mit vielen Filialen sind.

Mmhmm – meine Bilder im ganzen Land verteilt? Nein, in Europa, international, weltweit!

Zurück – Aufgewacht! Die Bilder waren schlicht und ergreifend: schlecht. Grottenschlecht. Damals sah ich das natürlich anders, ich fand etliches toll. Mußte ich ja auch, ich hatte ja nichts anderes. Wie auch immer, voll Eifer organisierte, verlud, transportierte, schleppte, hängte ich Bilder zwischen Lautsprecherboxen und Autoradioglasvitrinen, in Treppenhäuser, Schaufenster und Verkaufsräume.

Ein sehr großes war dabei, welches partout nicht mal in meinen sensationellen „Firmenwagen“, Ford Granada Kombi Automatik Cremeweiß passte. Na okay, es war trocken draußen und so schnallte ich die Keilrahmenleinwand auf’s Dach. Ein bißchen zumindest. Seitlich hielt ich es so gut ich konnte mit der Hand aus dem Seitenfenster fest und fuhr einhändig. Und langsam. Sehr langsam. Kaum zu glauben, welche Kräfte wirken, wenn der Fahrtwind darunterwehte. Also Tempo 20, eher weniger. Von irritierten Blicken und teilweise verständnislosem Kopfschütteln begleitet kam ich Tage später (so kamen mir die 15 Kilometer jedenfalls vor) am Ort des Geschehens an.

Zum Wochenende war alles fertig. Wenn ich mich recht erinnere, wurden sogar extra Leute zur Vernissage eingeladen. Das belief sich dann eher auf Kofferraum-Subwoover-Interessenten. Ich stand irgendwo irgendwie im Laden herum und versuchte verzweifelt, ein geschäftiges, künstlerisch wertvolles Gesicht zu machen.

Nun war ich natürlich nicht als derjenige, der für jene Werke zuständig war, offenkundig erkennbar. Das hat den Vorteil, nicht reden zu müssen, wenn man nicht möchte. Und ich mochte nicht. Aber zuhören, geradezu lauschen, das war interessant. Zwei Personen schlenderten an einem großen bunten Irgendwas vorbei,  und dann kam sie, die Frage aller Fragen:

 „WAS SOLL DAS, WAS WILL UNS DER KÜNSTLER DAMIT SAGEN?“

 Ich stand allerdings etwas ungünstig, so dass ich deren philosophische Unterhaltung über das Bild nicht verstehen konnte. Es wird wohl um Inhalt, Pinselschwünge, Kleckse, Gesamtaussage und dergleichen gegangen sein. Aber die Frage allein reichte mir, um mich schmunzelnd zurückzuziehen und mir meinen Teil zu denken. Schön, dass ich in die oberste Künstlerriege erhoben wurde, sind doch so viele vermeintlich anspruchsvolle Werke nichts anderes als: Pinselschwünge und Kleckse, bei denen der Macher sich nicht wirklich etwas gedacht hat.

Ich auch nicht. Es sollte schlicht und ergreifend einfach nur irgendwie gut ausehen, meinetwegen noch interessant. Ok, das war mir bei jenem Bild nicht besonders gut gelungen, aber so ganz daneben war es auch nicht. Immerhin hat man darüber geredet, ist das nicht schon Ergebnis genug? Zumindest war es groß, das ist ja auch schon mal was.

 

Und es läßt sich auf Ford Granadas transportieren.